KÜNSTE BILDEN UMWELTEN

Kulturelle Bildung für nachhaltige Entwicklung


Bildung für nachhaltige Entwicklung


BIENENBEWEGUNG >>
Wie Kunst, Bienen, Gärtnern und Stadtökologie zusammenkommen
© S. Riechert - Das Pollinium auf dem Bolzplatz der Vineta-Grundschule

Die Honigbiene ist vom Aussterben bedroht. In Städten könnte sie neue Lebensräume finden. Im interdisziplinären Projekt „Bienenbewegung“ haben Kinder und Jugendliche sich auf künstlerisch-kreative Weise mit dem Thema Bienen in der Stadt beschäftigt.

Auf dem Bolzplatz der Vineta-Grundschule im Berliner Stadtviertel Wedding steht ein riesiges Gebilde aus Aluminiumrohren und Seilen, welches einem dreidimensionalen Spinnennetz ähnelt: das Pollinium. Der mobile Kugelbau ist Ausstellungsraum, Mit-Mach-Werkstatt und Garten zugleich und das Herzstück des Jugendkunstprojektes „Bienenbewegung“. Ziel des interdisziplinären Projektes ist es, Kinder, Jugendliche und Erwachsene für das Thema „Honigbienen in der Stadt“ zu sensibilisieren und dabei spielerisch Ökologie und Kunst, Wissensvermittlung und kreatives Handeln zu verbinden.

Die Honigbiene ist vom Aussterben bedroht. Dies kann für Mensch und Tier gravierende Folgen haben, denn Bienen produzieren nicht nur Honig, sondern bestäuben zahlreiche Pflanzen und sorgen dafür, dass bis zu zwei Drittel unserer Früchte- und Gemüsesorten überhaupt erst wachsen können. Dies veranlasste die Initiatorinnen – die Architektin Katja Marie Voigt, die Künstlerin Silke Riechert, die Imkerin Erika Mayr und die Kulturwissenschaftlerin Elisa Dierson – das interdisziplinäre Projekt „Bienenbewegung“ ins Leben zu rufen. Die Idee war, gemeinsam mit Kindern und Jugendlichen in der Stadt neue Lebensräume für Bienen entstehen zu lassen sowie einen Lern- und Kunstraum dafür zu schaffen.
Das Pollinium wurde seit Mai 2012 an fünf verschiedene Standorte transportiert. Die letzte Station vor der Winterpause ist der Bolzplatz der Vineta-Grundschule.

Wenn es nicht gerade regnet, können Gruppen und Einzelbesucher*innen das Pollinium zu festgelegten Öffnungszeiten besuchen. Durch ein Guckfenster kann ein Bienenvolk, das in einer sogenannten „Bienenbeute“ im Pollinium lebt, bei der Arbeit beobachtet werden. Außerdem kann man sich über Bienen und ihre Lebensweise informieren. Rund um das mobile Museum haben Künstlerinnen und Künstler Arbeiten realisiert, die sich mit Bienen in der Stadt beschäftigen. So hat beispielsweise die Künstlerin Silke Riechert Pflanztaschen mit Bienenweidepflanzen bepflanzt und im Gestänge des Polliniums zu einem hängenden Garten installiert. Die Taschen sind versehen mit Minimaltexten und Ornamenten, die Auskunft über die Kulturgeschichte der Bienen geben. Die Architektin Katja Marie Voigt hat mit Wohnformen von Menschen und Bienen beschäftigt und neue multifunktionale Gebäudefassaden für ihr Zusammenleben entwickelt. 

© S.Riechert - Kinder der Freien Schule Mauerpark und die Gruppe Finger gestalten einen Bienenkorb

Ein zweiter zentraler Teil des Projektes ist das Mitmachangebot. Gemeinsam mit Imker*innen, Künstler*innen und Architekt*innen forschen die Kinder und Jugendlichen über Bienen in der Stadt und entwickeln eigene kreative Ideen zu Verbreitung und Haltung. In offenen Workshopangeboten entwickeln sie eine Modelllandschaft aus Bienenbauten und hängenden Gärten, bedrucken und bemalen Saattüten, Jutebeutel und Honigketten für den Museumsshop und entwerfen aus recycelten Lastwagenplanen eigene Pflanztaschen.

Zusätzlich fanden im Sommer 2012 acht interdisziplinäre Projekte in Kooperation mit Schulen und Jugendclubs statt. Die Gruppen griffen sich einzelne Phänomene rund um die Honigbiene heraus und vertieften diese. Sie beschäftigten sich z. B. mit der aktuellen Situation der Bienen, der hochkomplexen Organisation einer Bienengemeinschaft oder dem Umgang mit Lebensmitteln. In diesem Sinne ahmte die Künstlergruppe REINIGUNGSGESELLSCHAFT zusammen mit Jugendlichen aus Lichtenberg im Projekt „Ausschwärmen und Sammeln“ die Spezies der Spürbiene nach: Sie gingen mehrere Tage lang auf Entdeckungstour durch ihr Stadtviertel und besprachen dabei interkulturelle und ökologische Fragen. Die Ergebnisse hielten die Jugendlichen auf Fotos und in Reportagen fest und erstellten daraus eine Zeitung mit Geschichten vom Wandel des Stadtviertels, die an Anwohner*innen und Betriebe verteilt wurde.

Für die Künstlerin Silke Riechert verbindet sich in dem Projekt ästhetische und imkerische Forschung mit dem Nachhaltigkeitsgedanken: „Wir wollten, dass die Kinder und Jugendlichen sowohl etwas über Honigbienen und Ästhetik als auch über Ökologie lernen. Kunst kann das Wissen, das die Imkerinnen einbringen, in eine bilderreiche Sprache übersetzen und es damit veranschaulichen und erlebbar machen.“

Nach einem halben Jahr intensiver Arbeit zieht Riechert trotz einiger Hürden ein positives Fazit: „Manchmal war es schwierig, die Projekte an Schulen zu bringen, da dort der Fokus, gerade an den Gymnasien, sehr auf den Lehrplänen und konkreten Produkten und Ergebnissen liegt. Wenn jedoch die Lehrer*innen für das Projekt begeistert werden konnten und mit den Leiterinnen an einem Strang zogen, lief es meistens sehr gut. Wir haben vielfältige Akteure wie Schulen, Jugendclubs oder Urbane Gärten in unser Projekt mit einbezogen. Dadurch haben wir das Netzwerk rund um das Bienen-Thema in Berlin gestärkt und erweitert. Das ist für uns ein wichtiger Erfolg.“

Derzeit überlegen die Projektleiterinnen, wie das Projekt im Jahr 2013 weitergeführt werden kann, wenn die Förderung ausläuft. Sie suchen nach einem Ort, an dem sie das Pollinium dauerhaft installieren können, damit Imker*innen, Künstler*innen und alle Interessierten dort gemeinsam aktiv werden können. „Denn nur wenn man langfristig an einem Thema arbeitet“, so Riechert, „wird auch die Kunst nachhaltig“.


Kontakt

Kunst Werk Stadt Berlin e. V. i.Gr.
Ansprechpartnerin: Katja Marie Voigt
Crellestraße 44
12087 Berlin
info(at)bienenbewegung.org

> Zur Webseite



nach oben | zurück
Seite drucken | PDF der Seite erstellen | Seite empfehlen: deliciousWhatsapp | Kontakt | Sitemap | Impressum | Datenschutz