99 PROZENT >>
Ein Stück über Demokratie und Revolution
© spinaTheater - Szene aus „99 Prozent“

Die Jugendtheatergruppe des spinaTheaters Solingen schaut in ihrer multimedialen Theaterperformance „99 Prozent“ auf die weltweiten Protestbewegungen. Dabei geht es nicht zuletzt um die Frage nach dem eigenen Verhalten im Blick auf Protest und den Umgang mit sozialer Ungerechtigkeit.

„Ich kann nicht begreifen, warum immer mehr Geld für Waffen und Soldaten ausgegeben wird!“ rufen über 200 laute Stimmen durch den vollbesetzten Zuschauerraum des Solinger Theaters. Die jungen Akteur*innen des spinaTheater stimmen zusammen mit dem Publikum einen Sprechchor an, der ihren Unmut über Missstände in Gesellschaft und Politik hörbar machen soll – am besten bis nach Berlin. In ihrem neuen Stück „99 Prozent – ein Stück über Demokratie und Revolution“ wird Mitbestimmung nicht nur thematisiert, sondern sogleich mit den Zuschauer*innen umgesetzt.

Die freie Solinger Jugendtheatergruppe, die 2013 ihr zehnjähriges Jubiläum feiert, entstand aus einer zunächst einmaligen Kooperation der Stadt Solingen mit dem Berliner Regisseur Olek Witt. Der große Erfolg des ersten Theaterprojekts führte zu dem Beschluss, die Arbeit im Rahmen eines Fördervereins für junge Theaterkunst fortzusetzen und der spinaTheater e.V. wurde gegründet. Das spinaTheater versteht sich – geprägt durch den künstlerischen Leiter Olek Witt – als ein demokratisches Theater von und für Jugendliche. So entstanden in den letzten zehn Jahren, in Zusammenarbeit mit professionellen Künstler*innen aus Theater, Tanz und bildender Kunst, zehn einzigartige Theaterstücke die gemäß diesem Grundsatz besonders auf die Mitgestaltung und Mitbestimmung der Jugendlichen setzten.

Das Stück „99 Prozent“, dass am 28. August 2012 im Solinger Theater Premiere feierte, setzt hierbei neue Maßstäbe: es entstand vollständig unter der eigenständigen organisatorischen und künstlerischen Leitung der Jugendlichen. Die langjährigen Mitarbeiter Jan-M. Schmitz und Christoph Stec, die beide bei mehreren Produktionen als Darsteller, Bühnenbildner oder Produktionsleiter mitgewirkt haben, avancierten so mit ihrem ersten Theaterstück zu Regisseuren. „Das war natürlich eine große Verantwortung, aber da wir die beiden über die Jahre kennengelernt und ihre Entwicklung erlebt haben, waren wir zuversichtlich, dass sie dem bisherigen Anspruch des spinaTheaters gerecht werden würden“, begründet die Vereinsvorsitzende Corrina Elling-Audersch die Entscheidung.

Foto: © spinaTheater - Szene aus „99 Prozent“

„Von Beginn an hatten alle Mitspracherecht“, erinnern sich die Regisseure. Gemeinsam mit den zehn Darsteller*innen im Alter zwischen 15 und 21 Jahren, entschieden die beiden Studenten über Titel und Thema der neuen Produktion. Der zum Titel gewählte Begriff „99 Prozent“ wurde von der amerikanischen Basisdemokratiebewegung „Occupy Wallstreet“ geprägt. Dieser besagt, dass ein Großteil der Menschheit kaum Einfluss auf unsere globalisierte Welt hat, während sich die Macht immer mehr in den Händen sehr einflussreicher und wohlhabender Persönlichkeiten, den „1 Prozent“, konzentriert. Inspiriert von den globalen Protestbewegungen, wie dem Arabischen Frühling oder Occupy, sollte es in dem Stück über weltweite soziale Ungerechtigkeit und den persönlichen Umgang mit diesen gehen.

Das Theaterstück wurde in einem viermonatigen Probenprozess in Zusammenarbeit mit der Choreographin Gabriela Tarcha entwickelt. Dabei recherchierten die Jugendlichen eigenständig zu Themen, die sie interessierten und in dem Stück behandeln wollten. „Die Auseinandersetzung beispielsweise mit dem Thema Konsum machte uns klar, wie wir selbst die Welt in kleinen Schritten verändern können“ so die Darstellerin Daphne Sassin.

Am Ende steht eine multimediale tanztheatralische Performance, die immer wieder die Zuschauer miteinbezieht und es ihnen erlaubt, sie fast schon dazu drängt, einzugreifen und etwas zu verändern. Für den Regisseur Jan-M. Schmitz ist genau das eines der Ziele des Projekts: „Die Zuschauer sollen zu Mitmachern werden“. Laut den beiden Theatermachern soll sich das aber nicht auf das Theater beschränken und so ergänzt Christoph Stec: „Das Publikum soll die Aufführung verlassen, überzeugt davon etwas verändern zu können – ja sogar zu müssen.“

 

Kontakt

spinaTheater e. V.
Ansprechpartner: Christoph Stec
Keldersstr. 3
42697 Solingen
Fon 0212. 20 80 16
spinaTheater@aol.com

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Der Autor

Christoph Stec studiert derzeit nebenberuflich Kulturwissenschaften und Philosophie und engagiert sich seit einigen Jahren im Solinger spinaTheater als Darsteller, Regieassistent und Produktionsleiter. Er hat eigene Kurzfilme produziert und arbeitet hauptberuflich bei deutschen und internationalen Kino- und Fernsehfilmproduktionen in der Aufnahmeleitung.